Kirschbaum

Kindergarten e.V.

Integrations-Kindergarten in München-Untergiesing

 

Die bewegte Geschichte des Kirschbaum-Kindergartens

Die Entstehungsgeschichte des Kirschbaum-Kindergartens reicht bis in die 1970er Jahre zurück. Damals betrieb Familie Scharf, die im Rückgebäude der Gerhardstraße 17 wohnte, im Erdgeschoss ihres Wohnhauses einen kleinen Privatkindergarten, in den sie gegen Bezahlung Kinder aus der Nachbarschaft aufnahm. Als Familie Scharf gegen Ende der der 1970er Jahre aus dem Haus auszog, wurde dieses Konzept von ihren Nachmietern, der Familie Kerschbaumer übernommen. Einzige Erzieherin war Brigitte Kerschbaumer, die gelegentlich durch Praktikantinnen unterstützt wurde.

Eine dieser Praktikantinnen war 1982 die spätere, langjährige Kindergarten-Leiterin Elisabeth Spörer, der die Atmosphäre so gut gefiel, dass sie 1986/87 zum Berufspraktikum zurückkam und anschließend die erste Angestellte des damals noch namenlosen Kindergartens wurde. Auch wenn das „pädagogische Konzept" noch aus einer einzelnen handgeschriebenen Seite Papier bestand, so wurden doch schon die ersten integrativen Ansätze entwickelt: Unter den ca. 18 betreuten Kindern waren auch immer einige Kinder, die in unterschiedlicher Hinsicht besondere Bedürfnisse hatten und die entsprechend intensiv beobachtet und betreut wurden. Dies war in den 1980er Jahren ein Novum in Bayern; ebenso wie die Supervisionen durch einen Psychologen, die kurz darauf eingeführt wurden und durch Beratungs- und Reflexionsgespräche den beiden Erzieherinnen bei der Verarbeitung der herausfordernden Situation geholfen hat.

Staatliche Anerkennung — und warum wir Kirschbaum-Kindergarten heißen

Einzige Finanzierungsquelle waren zu dieser Zeit die Beiträge der Eltern. Im Laufe der Jahre wurde es immer schwieriger, die Kindergartenarbeit auf dieser Basis weiterzuführen. So wurde die Kinderladenwelle, die Ende der 80er Jahre von Norddeutschland ins konservative Bayern schwappte, zum Anlass genommen, eine staatliche Anerkennung des Kindergartens mit entsprechender Förderung zu beantragen. Dieses Vorhaben hatte tiefgreifende Folgen, die das Fundament der Kindergartenstrukturen bis zum heutigen Tag prägen. Unter den zahlreichen Voraussetzungen, die zu erfüllen waren, waren nicht nur bauliche Änderungen, die vom Bau- und Gesundheitsreferat gefordert wurden, sondern auch als wesentliche Anforderung die Gründung eines Trägervereins, der zu einem der anerkannten Dachverbände zugehörig sein musste. Da dieses Vorgehen noch recht unüblich war, waren entsprechend viele Hindernisse zu umschiffen. Aber dank des Engagements der Gründungsmitglieder (neben drei Eltern die beiden Erzieherinnen) war es am 01.09.1988 geschafft: Die staatliche Anerkennung wurde gemäß des bayerischen Kindergartengesetzes offiziell ausgesprochen! Zugelassen wurde der Kindergarten für eine Gruppe von 19 Kindern. Und endlich war die Finanzierung durch die Zuschüsse der Stadt München gesichert.

Vorher war jedoch eine noch offene Frage zu klären: Wie sollte der Kindergarten heißen? Ein Name musste her, und schließlich einigte man sich auf Kirschbaum-Kindergarten — nicht etwa weil im Kindergarten ein Kirschbaum gestanden hätte (dort stand vielmehr ein Zwetschgenbaum), sondern weil der Name der Erzieherin und Vereinsgründerin, Brigitte Kerschbaumer, die mit ihrer Familie immer noch im Hause des Kindergartens wohnte, so schön passte.

Als Integrationskindergarten bestätigt

Im Jahr 1989 folgte dann der nächste Schritt: Die Anerkennung als „Integrationskindergarten" wurde beantragt, der ja de facto schon mehr als 10 Jahre praktiziert wurde. Obwohl die Bedingungen der Anerkennung auch hier zunächst unklar waren, kristallisierte sich die Einschränkung auf 15 Kinder in der damals noch einzigen Gruppe, die von 3 Personen betreut werden musste, sowie die Durchführung einer Betreuung der behinderten Kinder durch einen Fachdienst als wesentlich heraus. Im September 1989 war dann schließlich auch diese Hürde genommen, und der Kindergarten hatte die bis heute praktizierte Betreuungsform — wenn auch nur in einer Gruppe.

Dann begann die bis zum heutigen Tag schwierigste Phase des Kindergartens: Familie Kerschbaumer wurde der verbleibende Wohnraum im ersten Stock zu eng, und man einigte sich darauf, dass für den Kindergarten eine neue Bleibe gesucht werden sollte. Nur dies war leichter gesagt als getan; zahlreiche Zeitungsausschnitte zeugen von der immer verzweifelteren Suche mit immer neuen Enttäuschungen der Eltern und Erzieherinnen. In dieser Situation wuchsen zwangsläufig die Spannungen zwischen Kerschbaumers, den Mietern des Gebäudes, und den Kirschbaum-Eltern, die auch durch die Moderation der damaligen Vereinsvorsitzenden Christine Wolf nicht beseitigt werden konnten.

Stabwechsel, Erweiterung und Professionalisierung

Schließlich verließ Brigitte Kerschbaumer den Kindergarten. Als neue Erzieherin wurde Sylvia Leifels eingestellt, Elisabeth Spörer übernahm die Kindergartenleitung und die Familie Kerschbaumer zog schliesslich aus.

Nach umfangreichen Umbauten, die zum großen Teil von den Eltern durchgeführt wurden, wurde dann im April 1994 die zweite Gruppe im ersten Stock eröffnet und dank des hervorragenden Rufs des Kindergartens rasch mit Kindern gefüllt.

In den Jahren, in denen der Kirschbaum-Kindergarten gewachsen ist und sich weiterentwickelt hat, wurden vielfältige Ideen und Erfahrungen gesammelt und in die tägliche Arbeit mit eingebracht. Um die hierdurch geprägte Kompetenz und Arbeitsqualität bewusst zu machen, wurde 1998 in professioneller Form das pädagogische Konzept formuliert, das bis zum heutigen Tag stolz vorgezeigt wird und den hohen Anspruch des Kirschbaum-Kindergartens manifestiert. In diesem Geist steht auch das Qualitätsmanagementhandbuch, das sicherlich nicht den Endpunkt, sondern eine weitere Etappe in der Entwicklung des Kirschbaum-Kindergartens bildet.